Das Serapeion und der Canopus der Villa Adriana

Virtuelle Besichtigung dieses Saales

Rekonstruktion des Canopus-Kanals in der Villa Adriana (Tivoli)

Einer der stimmungsvollsten Architekturkomplexe im Inneren der großen in Tivoli von Kaiser Hadrian (117-138 n.Chr.) errichteten Villa ist der sogenannte Canopus. Der Name stammt von einem Flussarm des Nils, der von Alexandria zur gleichnamigen Stadt Canopus führt. Hier wollte der Kaiser als Kulisse und Abschluss eines Verlaufs entlang dem Flussbecken das Serapis-Heiligtum (Serapeion) errichten, eine reich gegliederte architektonische Struktur, die aus einem in einen Halbkreis eingegliederten Becken bestand, gefolgt von einer Galerie mit einem engen, langen Kanal. Der gesamte Komplex des Canopus war eine architektonische Übertragung der geografischen Realität des Mittelmeers (so befinden sich beispielsweise am westlichen Ufer Repliken der Karyatiden des Erechteions in Athen) und des Tals des Nils, das von der kühnen Komposition der Exedra des Serapeions, die das Nildelta darstellt, und vom eigentlich in zwei Teile geteilten Canopus (Unter- und Oberägypten) abgeschlossen wird. Zahlreiche heute im Vatikan aufbewahrte Statuen bildeten in London, Dresden und München eine Reihe von Gruppen:

Das Sonnenerwachen von Osiris/Apis, der zwischen Lotusblüten, zwei Priesterinnen und einer Opfernden auftaucht (3.1, 3.2, 3.3, 3.4). Die Figurengruppe stand auf einer Brücke über dem Kanal, der den Nil darstellte;
Vier der in der Mythologie Osiris/Apis zugeordneten Gottheiten: Nefertum und Ptah aus Memphisi (3.5, 3.7); Isis und Horus aus Canopus und zwei Oris/Antinoos (3.6), sämtlich in den Nischen zu Seiten der Brücke aufgestellt;
Eine Kolossalbüste von Isis-Soter-Demeter (3.9). Sie stand in der großen Nische am Ende des Korridors, von wo aus der Canopus-Wasserfall aus dem Hochwasser des Nils entsprang;
Vier Osiris/Antinoos-Statuen in weißem Maror in den großen Nischen im Korridor, der Oberägypten vertreten sollte (3.8, 3.11). Weiß ist die Wappenfarbe Oberägyptens;
Vier Osiris/Antinoos-Statuen in rotem Stein in den Nischen der Exedra, die Unterägypten darstellen sollte (3.10), d.h. das Nildelta; Rot ist die Wappenfarbe Unterägyptens.