TEMPTATIO IESU CHRISTI LATORIS EVANGELICAE LEGIS

TEMPTATIO IESU CHRISTI LATORIS EVANGELICAE LEGIS

Die Schrift über dem Fresko ("TEMPTATIO IESU CHRISTI LATORIS EVANGELICAE LEGIS") bezieht sich auf die Versuchungen Christi, wie sie im Evangelium des Matthäus beschrieben werden (Matthäus 4,1-11). Diese sind in Wirklichkeit in den Hintergrund verbannt sind, wo sie in drei aufeinanderfolgenden Momenten erscheinen: oben links trifft Christus auf den Dämon, und zwar in der Gestalt eines Eremiten: er will ihn in Versuchung führen und fordert ihn daher auf, ein Wunder zu bewirken; in der Mitte sehen wir ganz oben auf dem Giebel eines Tempels, der an das Ospedale di Santo Spirito (in der Nähe des Vatikans) erinnert, den Satan, der Jesus dazu herausfordert, sich ins Leere zu stürzen. Den Bau dieses Krankenhauses hatte Sixtus IV. vorangetrieben. Rechts stürzt schließlich Christus den Dämon von einem Felsen in die Tiefe. In herausragender Position ist im Vordergrund ein Opferritus dargestellt, der meist als derjenige eines Aussätzigen interpretiert wird, der von Christus geheilt worden war (Matthäus 8, 1-4; Markus 1, 40-45; Lukas 5, 12-16). Zuweilen will man dieser Szene auch einen symbolischen Wert zuerkennen, wenn man den Hohepriester mit Moses und den Jüngling mit Christus identifiziert, der die Menschheit mit dem Opfer des eigenen Blutes erlösen wird.