Stirnziegel

Stirnziegel

Herkunft: unbekannt, ehemals Sammlung d’Agincourt
2. Jahrhundert v.Chr .
Terrakotta mit polychromen Spuren
max. Höhe 47,5 cm; max. Breite 29,3 cm;
Inv. 14119

Diese Exponate zierten den unteren Abschluss der Dachschrägen, wo sie als Verkleidung der letzten Dachziegelreihe dienten. An der Frontseite ist eine weibliche Figur mit ausgebreiteten Flügeln dargestellt. Sie hält eine Kithara in der Linken und lehnt an einem Pfeiler. Vom Pilaster nach unten hängend ist eine Stoffbahn hinter der nackten Person verlaufend drapiert und umhüllt einen Schenkel und das rechte Bein. Der leicht geneigte Kopf ist von einer langen Wellenmähne mit Mittelscheitel und einem Diadem umrahmt. Es sind keine weiteren Beispiele dieser Art von Stirnziegeln bekannt. Aus Luni kennt man zwei Exemplare mit weiblicher geflügelter Figur, die allerdings von einem Tuch in Faltenwurf umhüllt ist: Im einen Fall ist sie dabei, die Doppelflöte zu spielen, im anderen ist sie auch an einen Pfeiler gelehnt. Im Allgemeinen finden diese Figuren zahlreiche Entsprechungen in den Reliefs von Urnen aus Volterra, die häufig durch einen starken Einfluss rhodischer Prototypen gekennzeichnet sind. Aus streng ikonografischer Sicht kann die Figur vorsichtig mit Musendarstellungen verglichen werden, die für die etruskische Kunst belegt und lediglich durch die Gravierungen auf Spiegeln und Votivstatuetten dokumentierbar sind, die eine weibliche, sitzende und mit Faltenüberwurf halbbedeckte Figur darstellen, die dabei ist, die Kithara zu spielen.