Im äußersten südlichen Teil der Galerien der Bibliothek, zwischen der Kapelle des Heiligen Petrus Märtyrer und dem Saal der Episteln befindet sich die „Sala degli Indirizzi", der Saal der Huldigungsschreiben, welcher so bezeichnet wird, weil in ihm in Vergangenheit die sog. „Indirizzi" -Huldigungsschreiben- (amtliche Ehrerbietung, wie Medaillen, Diplome und andere Verehrungen) aufbewahrt waren, die von katholischen Staaten an die Päpste Leo XIII und Heiliger. Pius X zugesandt wurden. Das Gewölbe, die Bogenfelder und die darunter befindlichen Fresken wurden 1818, während der Amtszeit des Papstes Pius VII Chiaramonti, von Filippo Agricola (Rom 1795-1857) verziert, einem römischen Künstler, welcher im Museum Chiaramonti, in Zusammenarbeit mit Andrea Giorgini (Notierungen 1817-24), das Bogenfeld mit dem Fresko Die Gründung des Museums bemalt hat. Beide Maler, tätig in vielen öffentlichen Ausarbeitungen, sind bedeutende Vertreter der akademischen Malerei des spätrömischen Neoklassizismus.
Die Verzierung der Decke wurde mit Leimfarbe angefertigt und besteht aus Rechtecken, welche sich durch Rahmen aus vergoldetem Holz voneinander abgrenzen, verziert mit Kränzen aus tanzenden Putten auf himmelblauem Hintergrund und den Abzeichen der päpstlichen Schlüssel. Im zentralen Rechteck das Wappen der Chiaramonti, ringsherum künstliche monochrome Reliefe, welche die „Vittorie alate" und die „Virtù" darstellen. Die Bogenfelder beherbergen die Patriarchen und Kirchenlehrer, welche sitzend auf Marmorthronen von Putten mit königlichen Schriftrollen flankiert werden. Das unter dem Holzrahmen dargestellte Fries, welches sich entlang des ganzen Saales hinzieht, dient als Begrenzung der Dekoration und verweist auf die herrlichen Obstgirlanden im Gewölbe.
Die darunter befindlichen Schränke, die von Raffaele Stern für die Bibliothek des Kardinals Zelada enworfen worden waren - erworben von Pius XII nach dem Tod des Prelates - wurden ab 1837 in denselben Räumen für die Verwahrung der sog. „Primitivi" genutzt (Musterbeispiele der Tafelmalerei einiger Autoren des 14. und Anfang des 15. Jahrhunderts), welche später der Vatikanischen Pinakothek zugeteilt wurden (1909). Seit den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts befinden sich in derselben auch Sammlungen der ornamentalen Kunst, die 1999 von der Vatikanischen Bibliothek in die Zuständigkeit der Museen verlegt wurden.
Die Restaurierung, finanziert von den „Patrons of the Arts", wurde am Anfang des Jahres 2010, unter der Leitung von dott.ssa Micol Forti, Verwalterin der Abteilung der Kunst des XIX-XX Jhs., eingeleitet. Die Arbeit wurde von den Restauratoren Bruno Mattei und Marco Pratelli vom Restaurierungslabor „Pitture e Materiali Lignei" ausgeführt, wobei sie vom Diagnostiklabor für die Erhaltung und Restaurierung in den wissenschaftlichen Untersuchungen unterstützt wurden. Vor Beginn der Arbeiten wurde die Technik der Ausführung studiert, um über die passenden Interventionsmodalitäten zu entscheiden. Nachdem es sich um die Technik „Tempera auf Wand" handelt und nicht um Fresken, war es notwendig das geeignete Material zu identifizieren, um die vielen aufgetretenen Wandunebenheiten der bemalten Schicht wieder haftbar zu machen, welche durch die schlechte Grundbemalung und das Mikroklima des Raumes bewirkt wurden.
Das Globalprojekt der Restaurierung beinhaltet auch die Sanierung und die Umwandlung der unter dem Gewölbe befindlichen Schränke aus dem 19. Jahrhundert. In den nächsten Monaten wird demzufolge die Neugestaltung im Inneren der Vitrinen vorgenommen. Derzeit ist die erste Hälfte des Saales, welche bereits fertiggestellt wurde, für das Publikum wieder zugänglich. Im Dezember 2010 werden die Restaurierungsarbeiten beendet und der gesamte Saal mit einer neuen Beleuchtungsanlage ausgestattet sein.