Der attische Dinos aus der Werkstatt des Sophilos
Restaurierungen und antiquarische Geschichte
Konferenzsaal der Vatikanischen Museen – in Präsenz und im Livestream
Der Donnerstag der Museen am 19. Februar ist dem kürzlich restaurierten attischen schwarzfigurigen Dinos gewidmet, der in die ersten Jahrzehnte des 6. Jahrhunderts v. Chr. datiert wird und in Saal XVIII des „Museo Gregoriano Etrusco” ausgestellt ist.
Der Dinos (eine halbkugelförmige Vase, die bei Symposien zur Aufbewahrung von mit Wasser gemischtem Wein verwendet wurde) wurde 1837 vom römischen Antiquar Francesco Depoletti für das damals gerade gegründete Museum erworben. Um das Angebot attraktiver zu gestalten, beschloss der Antiquitätenhändler, die Vase in einer fantasievollen Komposition zu präsentieren, die ihre Imposanz unterstreicht: Er versah sie nicht nur mit einem protokorinthischen Deckel (der etwa 70 Jahre älter ist), sondern stellte sie auch auf einen Hypokraterion (hoher Ständer), der nach antikem Vorbild (etruskisch oder faliskisch-kapenatisch) rekonstruiert wurde. Die Zuschreibung des Dinos, der teils als Werk aus dem Umfeld von Sophilos oder eines seiner getreuen Nachahmer interpretiert wird, war aufgrund der umfangreichen Restaurierungen im 19. Jahrhundert lange Zeit problematisch.
Die diagnostischen Untersuchungen (UV, XRF, Raman, IR), die vom Wissenschaftlichen Forschungslabor der Vatikanischen Museen im Rahmen der Konservierungsmaßnahmen unter der Leitung von Maurizio Sannibale, Kurator der Abteilung für etruskische und italische Altertümer – durchgeführt wurden, ermöglichten es, die modernen Eingriffe genauer zu erkennen und die ursprünglichen Stilmerkmale hervorzuheben, wodurch eine starke Verbindung zur Werkstatt des Sophilos bestätigt wurde, ohne sie ihr jedoch direkt zuzuschreiben. Möglicherweise kann das Fragment des Fußes des Hypokraterions, das einzige erhaltene Originalteil, Sophilos zugeschrieben werden.
In der Museumsausstellung wird die ursprüngliche Komposition aus dem 19. Jahrhundert wiederhergestellt, indem das Hypokraterion, das Anfang des 20. Jahrhunderts (1922) durch einen starken „puristischen“ Eingriff entfernt wurde, wieder zu sehen ist. Es dient nun als typisches Beispiel für einen antiquarischen Pastiche und verleiht der gesamten Komposition sowie jedem einzelnen Teil eine neue historische und kritische Deutbarkeit.
Eröffnet wird die Konferenz vom stellvertretenden künstlerisch-wissenschaftlichen Direktor der Vatikanischen Museen, Giandomenico Spinola. Zu Wort kommen: Maurizio Sannibale, Giulia Rocco, außerordentliche Professorin an der Universität „Rom Tor Vergata“; Fabio Morresi und Francesca Romana Cibin, Leiter bzw. technische Assistentin des Kabinetts für wissenschaftliche Forschung der Vatikanischen Museen; Alice Baltera, Restauratorin in der Restaurierungswerkstatt für Metall und Keramik der Vatikanischen Museen.
Im Anschluss an die Veranstaltung findet eine Führung durch das „Museo Gregoriano Etrusco” statt.