Der Pinienhof: Ein wiederentdecktes Juwel der Renaissance
Der Pinienhof: Ein wiederentdecktes Juwel der Renaissance

Der Pinienhof: Ein wiederentdecktes Juwel der Renaissance

6. Oktober 2026
Vatikanische Museen

Der Pinienhof, ein wahres Juwel der Renaissancearchitektur, erstrahlt wieder in altem Glanz. Eine umfassende Restaurierung, die im September 2016 unter der Leitung der Vatikanischen Museen begann und sich über zehn Jahre erstreckte, hat die ursprüngliche travertinfarbene Gestaltung des Hofes wieder zur Geltung gebracht. Vor Beginn der Restaurierungsarbeiten wiesen die Fassaden des Cortile an Putzflächen und Oberflächen deutliche Schäden auf. In den Jahren 2015 und 2016 wurden daher drei „Musterbaustellen“ eingerichtet, auf denen unterschiedliche Restaurierungsmethoden erprobt wurden. Die erste Musterrestaurierung (März 2015 bis Juli 2016) umfasste die nordöstliche Ecke des Hofes, die zweite (August 2015 bis September 2016) die Dachterrasse oberhalb der großen Nische [Nicchione] und die dritte (Januar bis November 2016) die südöstliche Ecke.

Die Konservierungs- und Restaurierungsarbeiten wurden von der Abteilung für Bau- und Architekturdenkmäler der Vatikanischen Museen in enger Zusammenarbeit mit weiteren Fachabteilungen und Restaurierungswerkstätten der Museen durchgeführt. Darunter die Abteilungen für Kunst des 15. und 16. Jahrhunderts sowie des 17. und 18. Jahrhunderts, die Abteilung für Kunst des 19. Jahrhunderts und zeitgenössische Kunst, das Wissenschaftliche Forschungskabinett sowie die Werkstätten für die Restaurierung von Gemälden und Objekten aus Holz sowie für Stein, Metalle und Keramik. Durch stratigrafische Untersuchungen und materialdiagnostische Analysen der ursprünglichen Bausubstanz und der später hinzugefügten Schichten und Überarbeitungen konnten die verschiedenen Bauphasen ermittelt werden. Auf dieser Grundlage wurden die übergeordneten Restaurierungskriterien, die zu verwendenden Materialien und die geeigneten Verfahren für das umfassende Restaurierungs- und Konservierungsprojekt des Pinienhofes festgelegt. Die drei „Musterbaustellen“ wurden gezielt an Standorten eingerichtet, an denen Befunde zu unterschiedlichen Bauphasen zu erwarten waren. Die zahlreichen stratigrafischen Sondierungen brachten Reste der ursprünglichen, elfenbein- beziehungsweise travertinfarbenen Kalkanstriche zutage, denen Marmorpulver beigemischt war. Die architektonischen Gliederungen und die Mauerflächen waren dabei einheitlich gefasst und wiesen keine farbliche Differenzierung auf. Erst ab dem 19. Jahrhundert erhielten die Fassaden entsprechend den damaligen Gepflogenheiten und der römischen Bautradition einen gelben Ockeranstrich.

Die Restaurierungsarbeiten, die sich über einen Zeitraum von zehn Jahren erstreckten, zielten darauf ab, die ursprünglichen Farben der Oberflächen wiederherzustellen. Grundlage hierfür waren sowohl grundlegende Archivrecherchen als auch zahlreiche historische Veduten, die das Erscheinungsbild des Gebäudekomplexes in den verschiedenen Phasen seiner Geschichte dokumentieren. Daher die Entscheidung, sowohl die architektonischen Gliederungen als auch die Mauerflächen einheitlich in Travertinfarbe zu fassen. Dabei wurden, soweit möglich, historische Rezepturen verwendet, die Sumpfkalk, Kuhmilch und pulverförmige Pigmente vorsahen. So konnte eine farbliche Oberflächenfassung erzielt werden, die den ältesten aufgefundenen Fragmenten sehr nahekommt.
Die Arbeiten wurden mit einer umfassenden Instandsetzung der Fassaden sowie der Restaurierung des Gregor-XV.-Portals und der von Gio Ponti gestalteten Marmortreppe abgeschlossen. Bei der Restaurierung des Gregor-XV.-Portals in der nordöstlichen Ecke des Pinienhofes wurde eine besondere Entdeckung gemacht. Das Portal bildet den Zugang zu einer Treppe, die zum Galea-Brunnen und zur gleichnamigen Allee führt. Wenige Monate nach seiner Wahl ließ Papst Gregor XV. Ludovisi (1621–1623) die Treppenanlage umgestalten. Maurer erhielten den Auftrag, Stufen aus Backstein anzulegen und das repräsentative Travertinportal zum Pinienhof hin zu errichten. Bei der Restaurierung kam die Inschrift auf dem Architrav wieder zum Vorschein, die bis heute den Namen des Auftraggebers verrät: Papst Gregor XV.
Die ursprünglich aus Backstein gefertigten Stufen der Treppe Gregors XV. wurden 1936 von dem Mailänder Architekten und Designer Gio Ponti durch eine Ausführung aus verschiedenfarbigen Marmorsorten ersetzt. So entstand die sogenannte Scala dei Marmi, die Ponti anlässlich der Weltausstellung der katholischen Presse entwarf, die in vier Pavillons im Pinienhof eingerichtet wurde. Die durch ein elegantes Zusammenspiel von verschiedenfarbigem Marmor und Alabaster geprägte Treppe ist nun wieder in ihrer ganzen Pracht zu sehen.
Möglich wurde die Restaurierung durch die großzügige Unterstützung der Patrons of the Arts in the Vatican Museums. Es handelt sich um das bislang umfangreichste langfristig angelegte Restaurierungsprojekt, das von den Patrons gefördert wurde.